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EKP-Gründerin Ursula Bezdek berichtet über die schlimme Lage Kinderreicher

Von Blanche Mamer
Quelle: Süddeutsche Zeitung

Stockdorf „Immer wieder kommen Mütter zu uns, die dringend ein Familienseminar bräuchten, weil dadurch die ganze Familiensituation verändert würde. Aber oft können sie ein Wochenendseminar für alle nicht bezahlen", sagt die EKP-Gründerin Ursula Bezdek. „Wir überlegen dann, wo wir Mittel freimachen können. Das ist sehr schwierig, weil die Zuschüsse aus Landesmitteln sich an Einkommenssätzen festmachen, die seit 30 Jahren nicht mehr angehoben wurden. Also müssen wir immer wieder Familien abweisen, weil wir selbst in finanzieller Not sind."
Weil das Eltern-Kind-Programm weder in der reinen Betreuungs- oder Erziehungsarbeit angesiedelt ist, noch reine Erwachsenenbildung leistet, fällt es durch sämtliche Raster. „Wir werden dafür bestraft, dass wir die Familie als Einheit sehen", meint die Ehrenvorsitzende. Einer der wichtigsten EKP-Grundsätze ist, dass bei Problemen in der Familie nicht der Einzelne Hilfe braucht, sondern dass alle Teil haben. „Ein Kind will nie seine Eltern ärgern. Wenn es also Auffälligkeiten zeigt, dann sind das SOS-Rufe." Wenn man kleine Probleme sofort behandele, könnte man große Probleme abwenden, meint sie.
In Gauting gibt es, laut Bezdek, eine Reihe von Familien, die in Not geraten sind und dringend gemeinsame Seminare bräuchten. So berichtet sie von einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern im Alter von zweieinhalb und eineinhalb Jahren. Das Leben geriet aus den Fugen, als der Mann einen Schlaganfall erlitt. Ein Arm ist steif geblieben, ein Auge erblindet. Trotz seiner Behinderung bemüht er sich sehr um die Kinder, doch kann er ihnen weder die Schuhe binden noch den Reißverschluss schließen. Als Frührentner bekommt er 400 Euro im Monat. Die Familie muss damit umgehen lernen, sollte Urlaub machen, was aber ohne zusätzliche Unterstützung undenkbar ist.
Oder die Familie mit vier Kindern, der Vater plötzlich arbeitslos. Die Mutter war, so Ursula Bezdek, sozial sehr engagiert. Nun versuche sie mit zwei Pflegekindern über die Runden zu kommen. Inzwischen ist ihnen das Haus gekündigt worden, eine Wohnung für eine achtköpfige Familie nicht in Sicht. „Die Frau würde gerne die Gruppenleiter-Ausbildung machen und wäre hervorragend geeignet, Beratungsgesprächaber sie kann sie nicht zahlen." Oder die alleinerziehende Mutter mit einem 10-jährigen Sohn. Der Vater bezahlt keinen Unterhalt mehr, das Jugendamt auch nicht. Denn von amtlicher Seite wird das Geld nur sechs Jahre lang vorgestreckt, nur solange werden säumige Väter angemahnt. Danach bleiben Kinder und Mütter auf sich gestellt. Die Mutter arbeitet halbtags, ihr Job liegt 30 Kilometer entfernt, also muss sie täglich eine  Strecke von 60 Kilometern zurücklegen. Ihr Auto darf nicht kaputtgehen, sie könnte die Reparaturen nicht zahlen.

Mit ihren Sorgen kommt die alleinerziehende Mutter Larissa P. zu Monika Bezdek (l) und Gudrun Inverso (r). bla/Foto:Treybal

Sie bräuchte dringend eine neue Schlafcouch, weil die alte durchgebrochen ist. Weil der Vater sich aber doch hin und wieder meldet, jüngst zum Beispiel drei Euro für den Sohn überwiesen hat, wird ihm das von amtlicher Seite als „Goodwill" angerechnet. Mutter und Sohn müssten dringend zur Ruhe kommen, im letzten Sommer wollten sie zur EKP Familienfreizeit nach Spiekeroog. Die beantragte Kur wurde nicht gewährt und nur unter größten Anstrengungen kam das Geld zusammen.
Oder Larissa P.: Sie erwartet jetzt ihr fünftes Kind. „Jetzt falle ich vollendst unter die Rubrik kinderreich, alleinerziehend, also asozial", versucht sie zu scherzen. Bei der Schwangerschaftsberatung habe man sie dabei unterstützt, das Kind auszutragen, und ihr jede Art von Hilfe zugesagt. Doch nun, ein Monat vor der Entbindung, sieht alles ganz anders aus. Zuschüsse gibt es nur beim Sozialamt der Gemeinde. Und das heißt zahlreiche Anträge stellen, das fällt ihr schwer. Eine Knieverletzung macht ihr außerdem zu schaffen. „Die Kinder freuen sich auf das neue Baby" sagt sie, doch sie weiß, dass das Leben nach dem 25. Dezember nicht einfacher wird.
„Wenn ich diese Geschichten erzähle, schauen mich die Leute ganz entsetzt an. Hier im reichen Würmtal darf es das einfach nicht geben", meint Ursula Bezdek. Und trotz anderslautender Aussagen gibt es keine staatlichen Hilfen. „Nur leere Versprechungen", stellt sie fest. „Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens hat bei einer CSU-Veranstaltung im Wahlkampf hier im Familienzentrum zugesagt, Haushaltsmittel für Mutter-Kind-Gruppen locker zu machen. Vor drei Tagen waren wir im Ministerium. Es gibt definitiv keinen Cent."

 

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