Leseprobe
Das war der Anfang
Im alten Schulhaus in Buchendorf, südlich von München gelegen, treffen sich regelmäßig Eltern und Kinder in dem Modell "Netz für Kinder". Einmal wöchentlich werden die pädagogischen Schwierigkeiten, Ideen, Anregungen und Planungen durchgesprochen. Heute geht es um das Außengelände: "Die herkömmlichen Spielplätze kommen mir vor wie eine möblierte 08-15-Wohnung. Alles ganz praktisch und ganz rational! Da stehen drei Geräte: eine Schaukel, ein quadratischer Sandkasten und zwei Federpferde. Wo bleibt da für die Kinder die Möglichkeit zu entdecken, zu forschen und zu experimentieren?" fragt eine Mutter. Allen ist klar: es fehlt ein Spielplatz, der die Kinder einlädt, die Natur zu erleben, der Möglichkeiten bietet, das Wachsen und Blühen zu beobachten. Nach längeren Beratungen wird das Projekt anvisiert, einen Spielplatz zu gestalten, der möglichst viele Erfahrungen und Erlebnisse mit der Natur bieten soll: ein Öko-Spielplatz soll es sein! Es soll kein Naturlehrpfad und kein Gemüse- oder Kräutergarten werden, aber etwas davon doch. Der Spielplatz soll den Kindern viel Freiraum zum Spielen gewähren und gleichzeitig soll er auch vielfältige Naturerfahrungen ermöglichen. Petersilie - Suppenkraut wächst auf unserem Spielplatz! [...] (S.7)
Der Weg der Sinne - ein Riech- und Fühlpfad
Hier soll uns klar werden, daß das "Wohl-er-gehen" wirklich etwas mit Gehen zu tun hat. Die Füße sind es, die die stampfenden, tastenden, fühlenden Bewegungen auf den ganzen Körper übertragen. Für viele Kinder, aber auch für Erwachsene ist das Barfußlaufen ein echtes Bedürfnis, nur fehlt sehr oft die Gelegenheit dazu. Diese wollen wir schaffen und unser Riech- und Fühlpfad soll gleichzeitig die Funktion haben, zwei Spielbereiche, das Weidentipi und den Kriechtunnel, miteinander zu verbinden. Als Bodenbelag nehmen wir unterschiedliche Materialien wie groben Kies, Rindenmulch, Holzbohlen, Split, Erde, Sand. Begleitet wird der "Weg der Sinne" auf der einen Seite von Altbaum- und Buschbestand, auf der anderen Seite von einem geschwungenen Steinhaufen, in den wir stark duftende Kräuter (Thymian, Lavendel, Bärlauch, Baldrian, Kamille, Zitronenmelisse, Waldmeister, Pfefferminze, Beifuß) pflanzen. Die Kräuter schaffen uns Abwechslung in der Küche. Der Beifuß verbreitet sich besonders schnell und wir finden viele Möglichkeiten, ihn zu verwenden.
Schlafkissen: Wir füllen ein Kissen mit getrockneten Beifußblüten und -blättern und verwenden es bei Einschlafschwierigkeiten und der Neigung zu Krämpfen. Bei Kindern ersetzt man 1/3 der Menge mit Kamillenblüten. (Bei Allergien alle Kräuter zuerst in kleineren Mengen ausprobieren!)
Mottenkissen: Beifuß vertreibt Motten. Deshalb hat man früher in Truhen und Schränke Beifußzweige gelegt oder das Kraut in kleine Kissen genäht und zwischen die Wäsche gelegt. Man kann den Beifuß einzeln verwenden oder ihn mit anderen Kräutern mischen, die ebenfalls wirksame Mittel gegen Motten sind. Aus der folgenden Liste von mottenabwehrenden Kräutern kann sich jeder seinen Lieblingsduft auswählen und diese Pflanze dem Beifuß zufügen: Honigklee, Waldmeister, Eberraute, Minze, Rainfarn, Zypresse, Duftgeranie, Nelke, Thymian, Lavendel. (S. 30) |